Die Diabetes - Lawine

Veränderungen im Gesundheitssystem: Wie gut sind Menschen mit Diabetes versorgt?

  • Österreich liegt im europäischen Spitzenfeld: Wir wiesen 2016 die vierthöchsten Gesundheitsausgaben der EU auf! Wer sich die u. a. vom Rechnungshof veröffentlichte Grafik der Geldflüsse in unserem Gesundheitswesen ansieht, muss erkennen: Das Geld fließt kreuz und quer, ein Labyrinth! 

 

  • Unser Gesundheitssystem wird öffentlich gelobt, aber: Wie effizient werden diese Gelder in Österreich wirklich eingesetzt? Wie gut werden Patienten mit Diabetes in Österreich tatsächlich versorgt? 

 

  • Die Sprache der Statistik ist klar, sie zeigt leider auch auf, dass nicht alles zum Besten bestellt ist. So liegt die Gesundheitskompetenz der Österreicher weit unter dem europäischen Durchschnitt. Dem Österreichischen Gesundheitsbericht ist zu entnehmen, dass der Anteil übergewichtiger Menschen zugenommen hat, ebenso der Anteil der Raucherinnen unter den österreichischen Frauen. 

 

  • Die Zahl der Betroffenen in Österreich wird mit 600.000 bis 800.000 angenommen und ist deshalb so ungenau, weil es kein österreichisches Diabetesregister gibt. So wird z. B. die Zahl der jährlich an Diabetes Neuerkrankten anhand der Medikamentendaten nur geschätzt! Medikamente, die günstiger als die Rezeptgebühr sind, fließen in diese Datenbank nicht ein, ebenso wenig sind die von Patienten selbst bezahlten Medikamente und auch nichtmedikamentös behandelte Menschen mit Typ-2-Diabetes erfasst.

 

  • Unbestrittene Tatsache ist, dass die Anzahl der Neuerkrankungen steigt und steigt. Der Diabetesexperte Prof. Hermann Toplak (ÖDG) sprach im Vorjahr von einem „Diabetes-Tsunami“. Das betrifft nicht nur die Zahl der künftigen Patienten mit Diabetes, sondern auch die damit verbundenen Kosten, insbesondere der Diabetesfolgeschäden, die das Gesundheitswesen bewältigen muss. 

 

  • Anläufe wurden gemacht: Mit dem Patienten-Betreuungssystem „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“, das in ganz Österreich angeboten wird, soll eine intensivere ärztliche Betreuung mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen angeboten und mehr Wissen über Diabetes vermittelt werden. Obwohl eine rezente Studie der MedUni Graz den Teilnehmern an diesem Programm eine deutliche Verbesserung ihrer Diabetessituation, eine niedrigere Sterblichkeitsrate und weniger Spitalstage attestiert, sind derzeit – mehr als 10 Jahre nach dem Start! – nur etwas mehr als 75.000 Patienten bei „Therapie Aktiv“ eingetragen.

 

  • Mit der „Österreichischen Diabetesstrategie“, öffentlich präsentiert im März 2017, sollte die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, verringert werden, und die an Diabetes erkrankten Menschen in Österreich sollten möglichst lange mit hoher Lebensqualität leben können. Nach dem Regierungswechsel ist jedoch nicht bekannt, wie, wann und mit welcher Intensität dieses Konzept – das schließlich auch der Eindämmung der dramatischen Kosten dienen soll – umgesetzt wird.

 

  • Zugegeben, nicht nur der Staat hat die „Bringschuld“, für eine Eindämmung der Diabeteslawine zu sorgen – auch die Betroffenen selbst haben eine „Holschuld“. Dass diese unzureichend wahrgenommen wird, zeigen die enttäuschenden Teilnehmerzahlen von „Therapie Aktiv“.

 

  • Es liegt auf der Hand, dass sowohl die Qualität der Versorgung von Diabetespatienten als auch das Wahrnehmen von Eigenverantwortung seitens der Betroffenen maßgeblich mitwirken, den Anstieg von Diabetes und seiner gefürchteten Folgeschäden einzubremsen.

 

  • Unter dem Motto „Diabetes-Folgeschäden – NEIN DANKE!“, befasst sich die ÖDV 2019 mit dem Schwerpunktthema: Veränderungen im Gesundheitssystem in Bezug auf die Diabetesversorgung.

 

  • Wir werden uns bei unseren Veranstaltungen, aber auch in den folgenden Ausgaben des Diabetikermagazins MEIN LEBEN intensiv mit der weiteren Entwicklung befassen und laden Sie ein, an dieser Diskussion teilzunehmen!