Die Wunderspritzen sind in aller Munde. Wöchentlich gibt es immer wieder Schlagzeilen in Zeitschriften und Zeitungen. Wenn jemand im Internet nach dem Schlagwort „Abnehmspritze“ sucht, so poppen unwahrscheinlich viele Seiten auf.
Wie heißen diese Spritzen?
Die bekanntesten dazu sind: Wegovy, Saxenda, Ozempic, Victoza, Mounjaro
Die darin enthaltenen Wirkstoffe sind: Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid
Es handelt sich dabei um Fertigpens und das Medikament wird subkutan in Bauch, Oberarm oder Oberschenkel injiziert. Sie können zu jeder Zeit gespritzt werden, unabhängig von den Mahlzeiten. Bei Saxenda und Victoza sollte dies allerdings immer zur selben Zeit erfolgen.
Egal, welche Abnehmspritze verwendet wird, die Dosis sollte immer langsam gesteigert werden.
Was können diese Spritzen nun genau?
Hier ein kurzer Überblick:
Sie senken bei hohem Zuckerwert den Blutzucker.
Sie erhöhen das Insulin bei hohen Zuckerwerten.
Sie senken das Glucagon (Glucagon ist ein Peptidhormon – Glucagon fördert den Abbau des Speicherzuckers in der Leber und erhöht somit den Blutzucker).
Bei niedrigem Blutzucker wird weniger Insulin produziert (daher kommt es zu keinen Unterzuckerungen).
Sie verringern den Appetit – die Anwender verringern die Mahlzeitengröße.
Sie verlangsamen die Magenentleerung – die Anwender sind viel länger satt.
Sie senken im Zuge der Gewichtsreduktion den Blutdruck.
Sie verbessern durch die geringere Nahrungsaufnahme die Blutfette.
Sie wirken entzündungshemmend.
Sie verringern die Lust auf fette Speisen.
Natürlich gibt es bei allen Medikamenten auch mögliche Nebenwirkungen. Diese wären:
Flüssigkeitsverlust und Dehydrierung (Austrocknen) durch Erbrechen
Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen
Durchfall oder Verstopfung
Kann zur Einschränkung der Nierenfunktion führen
Pankreatitis
Schwindel
Müdigkeit
Reflux/Sodbrennen
Ursprünglich waren alle Wirkstoffe für das Krankheitsbild Diabetes mellitus Typ 2 gedacht. Durch die schnelle und erfolgreiche Gewichtsreduktion wird das Medikament nun aber auch bei Adipositas bzw. Übergewicht eingesetzt, vor allem Wegovy und Saxenda.
Die Spritze wird also bei Diabetes mellitus Typ 2 mit Übergewicht verordnet bzw. bei Übergewicht, wenn der BMI zwischen 27 und 29,9 liegt UND gewichtsbedingte Gesundheitsprobleme wie Prädiabetes, Hypertonie, erhöhte Blutfette, Schlafstörungen mit Atemaussetzern vorhanden sind.
Ist der BMI größer/gleich 30, so kann die Spritze ohne gewichtsbedingte Gesundheitsprobleme verschrieben werden. Das heißt, diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Die Anwender solcher Abnehmspritzen sollten immer ärztlich engmaschig begleitet werden. Diese Medikamente werden also verordnet, aber die Kosten dafür werden von den Sozialversicherungen nicht bzw. nur in Ausnahmefällen übernommen.
Es gibt auch Bedingungen, bei welchen diese Wirkstoffe nicht verwendet werden:
- Verzögerte Magenentleerung
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) – auch vergangene
- Diabetische Retinopathie
Die Möglichkeit, in kurzer Zeit sehr viel Gewicht zu verlieren, ohne großen Aufwand, ist bei vielen beliebt und macht dieses Medikament zu einem kleinen „Wundermittel“.
Aber es bergen sich auch Gefahren darin und diese möchte ich hier kurz festhalten.
Ist jemand schon lange übergewichtig oder adipös und hat bereits viele Abnehmversuche hinter sich, so ist das frustrierend und demotivierend. Weniger essen, wenn man immer noch Hunger hat, auf Schokolade verzichten, wenn
der Kopf ständig an Süßes denkt, ist alles andere als einfach. Das schafft man vielleicht ein paar Tage, aber dann fällt man leicht in das „alte Muster“ zurück.
Wenn man mit der Spritze beginnt, so sorgt der Wirkstoff relativ rasch dafür, dass die Sättigung schnell einsetzt. Für jemanden, der immer erst nach dem zweiten Teller satt war bzw. generell keine Sättigung verspürt hat, ist das ein kleines Wunder. Freiwillig isst man vielleicht nicht einmal mehr den ersten Teller leer – und ist zufrieden. Außerdem war man vor der Spritze vielleicht rasch wieder hungrig – da denkt der Kopf natürlich an die nächste Mahlzeit. Mit der Spritze kommt der Hunger viel später, manchmal erst Stunden danach.
Kein Wunder, wenn dann die Kilos purzeln. Doch genau das birgt die erste Gefahr in sich. Wir essen ja nicht nur, um satt zu werden, sondern wir „schulden“ unserem Körper viele gute Nährstoffe. Wenn die Essensmenge so rasch reduziert wird, bekommt der Körper nicht mehr alles, was er braucht. Wir benötigen jeden Tag zum Beispiel eine gewisse Eiweißmenge, damit wir unsere Muskelmasse erhalten können. Wenn die Mahlzeitenportionen nun so klein sind und die Mahlzeitenhäufigkeit reduziert wird, so wird der Eiweißbedarf oft nicht mehr gedeckt. Das heißt, auf der Waage sehen die Betroffenen, dass sie rasch abnehmen, und freuen sich. Aber durch den Eiweißmangel nehmen sie auch viel Muskelmasse ab. Sie schlittern sozusagen in eine Mangelernährung. Das kann bis zur Sarkopenie führen. (Sarkopenie: Die Sarkopenie bezeichnet den mit fortschreitendem Alter zunehmenden Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft und die damit einhergehenden funktionellen Einschränkungen des älteren Menschen.)
Und das bringt uns gleich zur nächsten Gefahr.
Wir wissen, dass, wenn die Spritze abgesetzt wird, der Appetit wieder zurückkommt und die Menschen wieder zunehmen. Wenn sie zuvor während der Abnehmphase auch Muskelmasse verloren haben, dann kommt es sehr schnell zur erneuten Gewichtszunahme. Denn Muskeln verbrennen Energie. Wenn der Körper nun weniger Muskeln hat (und somit auch weniger Kraft), so verbrennt er in 24 Stunden weniger Kalorien. Bei einem Kalorienüberschuss erhöht sich dann vor allem die Fettmasse.
Und nun zur dritten Gefahr
Die Muskelmasse wird weniger, die Kraft wird weniger! Dann ist die logische Schlussfolgerung, dass auch die Lust an der Bewegung weniger wird. (Vor allem, da die Gewichtsreduktion ja auch ohne Sport möglich ist.) Und da schließt sich der Kreis. Ohne regelmäßige Sporteinheiten (vor allem Krafttraining) baut der Körper normalerweise die Muskelmasse ab ca. 30 Jahren langsam ab.
Betrachten wir daher nochmals den möglichen Werdegang:
Start Abnehmspritze – weniger Appetit – weniger Eiweiß – weniger Muskeln – weniger Lust auf Sport – noch rascherer Abbau der Muskeln!
Daher nun mein Appell an Menschen, die sich auf Anraten des Arztes für die Abnehmspritze entscheiden:
- Diese Therapieform sollte nur begleitend durchgeführt werden.
- Regelmäßige Gewichtskontrollen beim Arzt – die Gewichtsabnahme sollte nicht zu rasch, sowohl auch nicht zu langsam erfolgen. Der Arzt passt die Dosis dementsprechend an.
- Parallel dazu sollte eine Ernährungsberatung durchgeführt werden – mit zwei Zielen: Die Ernährung während der Therapie sollte nährstoffreich und vor allem eiweißbedarfsdeckend sein und es wird aufgezeigt, wie die Ernährung nach dem Absetzen aussehen könnte/sollte.
- Nach dem Absetzen der Spritze sollte die Ernährungsberatung weitergeführt werden, damit „Stolpersteine“ – großer und nicht stillender Appetit, Lust auf Süßes usw. – nicht zu einem Rückfall in das alte Muster führen.
- Es sollten unbedingt regelmäßige sportliche Aktivitäten geplant werden – idealerweise im Kraftsport. Man sollte sich vor Beginn der Therapie bereits damit auseinandersetzen, was möglich wäre – Fitnessstudio, Kurse in Sportvereinen, regelmäßiges Training zuhause (die Übungen sollte man sich vorab von einem Experten zeigen lassen).
Ohne Lebensstiländerung, beginnend bei Therapiestart und beibehaltend nach Therapieende, wird die Gewichtsreduktion nicht dauerhaft möglich sein.
Wer sich für die Spritze entscheidet, sollte dies als Einstieg in eine Lebensstiländerung sehen. Diese Veränderungen brauchen Zeit und Begleitung von mehreren Berufsgruppen: Arzt/Ärztin, DiätologIn, SportexpertInnen und vielleicht auch PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen. Nehmen Sie diese Unterstützung an.
Ich hoffe, ich konnte eine kurze, aufklärende Zusammenfassung über die Abnehmspritzen geben.
Denjenigen Personen, die sich dafür entscheiden, wünsche ich eine gute Begleitung. Lassen Sie sich unterstützen, beraten und nehmen Sie viele Ideen und Anregungen mit.
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John Doe
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